Schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Computerspielsucht, davon sind 85 Prozent männliche Jugendliche und junge Männer. An der Uniklinik Mainz hat nun die bundesweit erste Ambulanz zur Behandlung von Internet- und Computerspielsüchtigen die Arbeit aufgenommen.
Rund 150 Patienten könnten in der Ambulanz pro Jahr behandelt werden. In der Therapie wollen die Wissenschaftler die Betroffenen dazu bringen, die Nutzung von Computer und Internet wieder auf ein Normalmaß zu reduzieren, erklärt der Psychologe Klaus Wölfling, der die Mainzer Computerambulanz leitet: „Eine komplette Abstinenz wäre undenkbar in unserer heutigen Zeit.“
Die Erforschung von Internet- und Computerspielsucht steckt noch in den Kinderschuhen. „Die Verläufe der Sucht, die möglichen Risikofaktoren sind noch ungeklärt“, sagt Manfred Beutel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin an der Mainzer Uniklinik. Doch das Problem nimmt rasant zu. „Bei uns häufen sich die Anfragen von Eltern und zum Teil auch von Betroffenen“, erklärt Beutel. Die Mainzer Forscher schätzen, dass drei bis vier Prozent aller männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Computersucht leiden.
Dabei treten ähnliche Symptome auf wie bei Menschen, die von Alkohol, Cannabis oder Tabletten abhängig sind. Die Betroffenen hätten ein ständiges Verlangen zu spielen, und die Spielzeiten würden immer länger, erklärt der Klinikdirektor. Werde der Betroffene vom Computer ferngehalten, träten typische Entzugserscheinungen wie Aggressivität, Nervosität und Unruhe auf. Auch vernachlässigten die Süchtigen Ernährung und Hygiene, betont Beutel: „Das hat ganz gravierende gesundheitliche Auswirkungen.“
Nach Einschätzung von Wölfling ist für das neue Massenphänomen vor allem das Aufkommen immer realitätsnäher angelegter Spielwelten im Internet verantwortlich. Als besonderen Suchtfaktor bezeichnen die Mainzer Forscher den Umstand, dass Rollenspiele wie „World of Warcraft“ kein Spielende kennen. Wie auch im echten Leben entwickelten sich soziale Bindungen und Pflichten immer weiter. Fortschritte im Spiel seien nur durch hohen zeitlichen Einsatz zu erzielen. So werde einer exzessiven Nutzung Vorschub geleistet.
Also be careful!
Quelle: AP
0 comments
Posted by Peter Wolf